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Wie Sie die 7 typischsten Fallstricke bei Architektur-Websites vermeiden

Claudia Frank
Claudia Frank

Autorin // Lovely Webdesign

Für Architekten spielen gewöhnlich Empfehlungen, Reputation und Beziehungen die bedeutendste Rolle, wenn es um die Gewinnung neuer Kunden geht. Aber der Wettbewerb ist groß – gibt es doch rund 38.000 Architektur-Unternehmen in Deutschland (mitgerechnet sind hier auch Garten- und Landschaftsplaner und Innenarchitekten). Wenn man eine aus den USA stammende Studie auf deutsche Verhältnisse überträgt, so schauen sich die meisten Käufer von Architekturservices zunächst die Website des Unternehmens an, bevor sie in Kontakt treten. Grund genug also, dass sich auch Architektur-Unternehmen optimal im Web präsentieren. Vermeiden Sie dabei unbedingt die folgenden 7 Fallstricke:

Agenda

1. Ein mächtiges Portfolio gleich auf der Startseite
2. Eine Website wie alle anderen
3. Eine langweilige „Über Uns-Seite“
4. Fehlende Kundenreferenzen und Fallstudien
5. Keine kundenzentrierte Gestaltung
6. Keine oder nur eine marginale Service-Seite
7. Keine aktive Leadgenerierung

 

1. Ein mächtiges Portfolio gleich auf der Startseite

Entgegen der landläufigen Meinung geht es bei einer Architektur-Webauftritt nicht darum, dass Sie Ihre Besucher gleich eingangs mit einem mächtigen Portfolio beindrucken sollten. Dazu haben Sie anderweitig auf Ihrer Website noch genügend Raum und Möglichkeit. Nicht das diese Portfolio-Seiten schlecht aussehen – ganz im Gegenteil. Viele Architekten zeigen hier ihre besten Stücke und die Bilder sind oft sehr eindrucksvoll.

Aber bei einer Startseite geht es darum, dem Website-Besucher einen Überblick zu verschaffen, was ihn auf Ihrer Website erwartet und wie er am schnellsten zu den für ihn relevanten Informationen kommt. Er muss wissen, dass er hier an der richtigen Stelle ist. Die Startseite dient daher wie ein Lotse und soll Interesse auf mehr wecken.

Diesen Dienst können reine Portfolio-Seiten nicht leisten. Falls Sie eine solche Website haben, sollten Sie sich Ihre Website-Statistiken anschauen und sich kritisch fragen, was Ihre Website zu Ihrem Marketingerfolg beiträgt.

Worauf Sie alles sonst noch bei Ihrer Startseite achten sollten, erfahren Sie in dem Blogpost „Die 10 häufigsten Fehler bei Home Pages im Garten- und Landschaftsbau“. Die meisten Punkte gelten für Architektur-Seiten analog.

Typische Portfolio-Seite eines Themes - hier als Startseite

Abbildung: Typische Portfolio-Seite eines Themes – hier als Startseite



2. Eine Website wie alle anderen

Der Schlüssel zu einer großartigen Website liegt nicht allein in einem attraktiven Design, sondern vor allem an guten Inhalten, einwandfreier Performance und Originalität. Doch die Praxis sieht meist anders aus. Viele Architektur-Websites ähneln einander zu sehr. Die eingangs erwähnten typischen Portfolien-Websites tun ein Übriges.

Warum sich viele Architektur-Websites so sehr ähneln, liegt zum Großteil daran, dass sie gewöhnlich auf Basis generischer Website-Templates erstellt werden. Daran ist für sich selbst nicht schlechtes. Dennoch muss auch ein solches Template auf das jeweilige Unternehmen angepasst werden und nicht einfach nur mit Texten und Bildern befüllt werden. Andernfalls kommt das Besondere des Unternehmens nie richtig zum Vorschein.
Grundlage dazu ist ein durchdachtes Website-Konzept und eine Strategie für Ihre Website. Dazu gehört die Klärung von Fragen zu:

  • Dienstleistungen und Produkten
  • Vermarktung
  • Kundenkreis
  • Branche und Umfeld
  • Positionierung
  • Alleinstellungsmerkmal

Mit einem klaren und stimmigen Website-Konzept legen Sie das Fundament zu einer authentischen Website mit Wiedererkennungswert, die Ihren Besuchern einen echten Mehrwert liefert.


3. Eine langweilige „Über Uns-Seite“

So fängt es meist an:

  • Wir sind preisgekrönte Architekten
  • Unsere Architekturbüro gibt es bereits seit 19 Jahren
  • Ich habe 1992 mein Architekturstudium in Berlin beendet

Alles schon mal gehört? Sicherlich. Gefühlt mindestens tausendmal. Mmh, ein bisschen langweilig. Meist kommen solche Texte dadurch zustande, dass die Unternehmen nicht wissen, was sie schreiben sollen. Und dann wird gerne beim „Nachbarn“ gespickt. Zu dumm, dass der es auch nicht besser weiß. Wussten Sie, dass die „Über uns“-Seite gewöhnlich die zweithäufigst besuchte Seite ist? Schauen Sie sich einmal Ihre eigenen Website-Statistiken an. Grund genug, dem Aschenputtel schöne Kleider zu nähen.

Potenzielle Kunden möchten mehr über das Unternehmen, das Team und die Geschichte dahinter wissen. Aber das mit Herz und Leidenschaft und nicht als eine Aneinanderreihung von Fakten. „Storytelling“, wie man neudeutsch zu sagen pflegt. Fangen Sie aber nicht gleich an, von sich zu sprechen, wie man es vermuten könnte, sondern damit, wie Sie Ihren Besuchern helfen können.
Und dann kommen Sie zu IHRER Geschichte.

Glaubwürdigkeit verschaffen Sie sich im dritten Abschnitt. Dort können Sie dann Dinge wie Auszeichnungen, Kundenreferenzen etc.
Fordern Sie dann zum Handeln auf.

Und vergessen Sie nicht echte Fotos von sich und Ihrem Team auf der „Über uns“-Seite unterzubringen.

Mehr dazu erfahren Sie in dem Blogpost: „Wie Sie Ihre ‚Über uns’ Seite schreiben“.


4. Fehlende Kundenreferenzen und Fallstudien

„Ich bekomme alle meine Kunden durch Mundpropaganda“, das sagen viele Architekten mit stolzgeschwellter Brust. Doch auf deren Websites, bei Ihrem Houzz-Auftritt oder auch bei Google Business sind oft nur wenige oder gar keine Kundenreferenzen zu sehen. Dabei sind Referenzen ein hocheffektives Mittel, Vertrauen aufzubauen. Vertrauen ist immer gut. Aber gerade bei sensiblen und kostspieligen Projekten, wie bei Bauwerken, ist Vertrauen das A und O.

Testimonials / Kundenreferenzen

Ein Testimonial ist in der Regel eine persönliche Aussage zu Ihrer Arbeit aus Kundensicht. Damit wird Ihre (Marketing-)Aussagen durch eine glaubwürdige Person bestätigt wird. Damit nutzen Sie die psychologische Wirkung einer Empfehlung für sich.

Positive Testimonials ziehen die Aufmerksamkeit potenzieller Kunden auf sich und helfen, ihr Vertrauen in Sie zu stärken. Bauen Sie deshalb echte Testimonials von Kunden auf Ihrer Website ein. Fragen Sie bei Ihren Kunden zum Abschluss eines Projektes aktiv nach einem Testimonial und lassen Sie sich die Erlaubnis geben, diese Referenz veröffentlichen zu dürfen.

Fallstudien

Auch mittels Fallstudien können Sie Vertrauen aufbauen. Anstatt große Galerien mit Projektfotos auszustellen, sollten Sie einige ausgewählte Projekte um Fallstudien erweitern, die Ihrem Website-Besucher zu helfen, den Kontext und die Bedeutung des Projekts und den Wert Ihrer Architekturdienstleistungen zu verstehen. Damit demonstrieren Sie Ihre Fähigkeiten und zeigen Beispiele aus der Praxis.
Gehen Sie in diesen Fallstudien auf diese Punkte ein:

  • Ausgangssituation
  • Zielsetzungen
  • Besondere Herausforderungen
  • Konkrete Maßnahmen, die zum Erfolg beigetragen haben
  • Projektabschnitte
  • Fertiges Ergebnis


5. Keine kundenzentrierte Gestaltung

Zu oft sieht man Websites von Architekturbüros, die mit stolzer Brust die vergangenen Erfolge präsentieren, aber es unterlassen, für einen echten Beziehungsaufbau zu sorgen. Denken Sie daran, dass Sie keine Website entwerfen, um Ihre Architekturkollegen zu beeindrucken. Stattdessen brauchen Sie eine, die für Sie die passenden Kunden gewinnt. Und das tut sie, wenn sie ihren potenziellen Kunden hilft, zu erkennen, warum sie der richtige Partner sind, mit dem es sich lohnt, zusammenzuarbeiten.

Denken Sie Ihre Website aus Kundensicht. Wie soll er sich auf Ihrer Website fühlen? Wie sprechen Sie ihn an und welche Bilder zeigen Sie ihm? Was interessiert ihn? Welche Fragen und Einwände könnte er haben? Greifen Sie diese präventiv auf.

Nutzen Sie die Möglichkeit, mehr Leben in Ihre Website zu bekommen: Wenn Sie Architekturleistungen für Einfamilienhäuser und Apartments anbieten, warum präsentieren Sie Ihre Bilder nicht etwas heimeliger? Statt kühler, leere Räumlichkeiten können Sie ein paar Bilder mit Menschen, Tieren und Objekten in ihrer natürlichen und von Ihnen gestalteten Umgebung zu zeigen. Home Staging nutzt genau diese Effekte, um Objekte besser vermarkten zu können. Warum sollten Sie als Architekt nicht auch davon Gebrauch machen?

Weitere Tipps:

  • Verwenden Sie eine einfache, klare Sprache, was die Navigation Ihrer Website anbelangt, z. B. Home, Über uns, Fallstudien. Die Navigation ist nicht der Ort, um kreativ zu werden. vermeiden Sie obskure oder verwirrende Begriffe.
  • Machen Sie Ihre Website simpel zu bedienen. Verstecken Sie das Menü nicht und zwingen Sie Besucher nicht, unnötig zu klicken, um zu wichtigen Informationen zu gelangen.
  • Vermeiden Sie übermäßige Animationen oder irgendetwas, dass die Benutzer stören könnte, Ihre Website zu nutzen oder Informationen zu finden.
  • Machen Sie den Besuchern deutlich, wie sie sich an Ihre Firma wenden können. Der Kunde sollte Sie von jeder Seite aus einfach kontaktieren können.
  • Stellen Sie sicher, dass Ihre Website binnen von 2-3 Sekunden lädt.
  • Stellen Sie sicher, dass Ihre Website für moderne Endgeräte optimiert ist (Smartphones, Tablets, Notebooks und Desktops).

Schauen Sie sich die Analyseberichte Ihrer Website an. Haben Sie auf bestimmten Seiten eine hohe Absprung- und Ausstiegsrate? Dann ist dies ein sicheres Indiz, dass Sie die Seite verbessern sollten (es sei denn, es geht um rechtliche Seiten).


6. Keine oder nur eine marginale Service-Seite

Währenddem die Startseite oft noch mit viel Herzblut ausgestaltet wird, sieht es mit der Service-Seite (oder den Service-Seiten) oft ganz dünn aus. Aber gerade das ist der Bereich, der tatsächlich „verkauft“. Auch wenn die Startseite wichtig ist, weil sie allzu oft auch als Landing Page agiert. Vom Grundsatz dient sie nur dem Überblick und dem Lotsen des Besuchers zu Stellen, die Sie für ihn vorgesehen haben. Sie ist damit gewissermaßen ein „Appetithäppchen“, aber auch nicht mehr.

Ganz anders die Service-Seite(n): Sie hilft, zu verkaufen. Ja, ich höre es schön. Sie verkaufen ja gar nicht, Sie beraten und gestalten.
Wie auch immer: Behandeln Sie die Service-Seite (oder Service-Seiten) mit gebührendem Respekt und geben Sie sich viel Mühe mit der Ausgestaltung.

Starten Sie mit den Problemen Ihrer Wunschkunden und zeigen Sie auf, warum er bei Ihnen an der richtigen Stelle ist. Beschreiben Sie dann Ihre Services anschaulich.

Auf der Services-Seite oder auf einer Unterseite (alternativ auf einer separaten Seite) haben Sie auch die Gelegenheit, Ihren Kunden Ihren Ansatz des Architekturprozesses zu vermitteln und Details zu der Zusammenarbeit mit Ihnen zu erläutern. Gehen Sie nicht davon aus, dass Ihre Besucher all das schön wüssten:

  • Wie arbeiten Sie in der Regel mit Kunden?
  • Mit wem arbeiten Sie zusammen, mit wem nicht?
  • Wie sieht Ihr Prozess aus?
  • Was können Ihre Kunden erwarten, wenn sie mit Ihnen zusammenarbeiten?
  • Wann sollten sie einen Architekten für ein Projekt einschalten?


7. Keine aktive Leadgenerierung

Viele Architekten sagen, dass sie über Ihrer Website keine Kunden gewinnen. Das glaube ich gerne Bei der Durchsicht der mehr als 400 Websites habe ich keine einzige Website gefunden, die auf Lead-Generierung oder -Konvertierung optimiert ist.

Die allermeisten Architektur-Websites sind passiv. D.h. Besucher kommen und gehen. Es wird keinerlei Versuch gestartet, ihre E-Mails zu erfassen oder sie spontan dazu zu bringen, in Kontakt zu treten.
Warum ist es so wichtig, dass Sie die E-Mail-Adresse von Besuchern gewinnen. Nun, Sie bleiben in Kontakt. Viele Besucher sind nämlich in ihrem Kaufzyklus noch nicht so weit, umgehend in Kontakt zu treten, sondern erst zu einem späteren Zeitpunkt. E-Mail-Marketing gehört deshalb zu dem erfolgreichsten Repertoire, was Sie nutzen können, um Neukunden zu gewinnen.

Das Dumme ist, dass die Kunden heutzutage nicht mehr ohne Weiteres ihre E-Mail-Adresse hergeben. Deshalb müssen Sie sie gewöhnlich mit einem kleinen Geschenk locken: In der Regel ist dies ein hilfreicher kostenloser Download, den Sie auf Ihrer Website bereitstellen. Um das kostenlose Angebot zu erhalten, muss der Besucher seine Kontaktdaten geben.

Ein kostenloser Download könnte z.B. eine Checkliste mit wichtigen Fragen sein, die er bei der Befragung von Architekten stellen kann. Es könnte auch die Darstellung eines Kundenprojektes sein. Anstelle eines Downloads können Sie auch einen unverbindlichen Consult-Call anbieten. Was auch immer Sie entscheiden, stellen Sie sicher, dass es etwas ist, was für Ihre Kunden von echtem Wert ist.
Sie sollten sicherstellen, dass das Angebot klar auf Ihrer Website angezeigt wird. Die E-Mail-Adresse muss rechtssicher mit einem Formular erfasst werden.

Als Gegenleistung für die Kontaktinformationen erhalten die Besucher einen Link zum Herunterladen des „Geschenks“ oder die Buchungsmöglichkeit eines Termins.

Halten Sie mit regelmäßigen und interessanten Informationen Kontakt zu Ihrem potenziellen Kunden. E-Mail-Marketing kann dann neben Ihrer Website Ihre stärkste Marketing-Waffe sein. Doch dazu in einem späteren Blogpost mehr.


Zusammenfassung

Die sieben häufigsten Fallstricke haben Sie jetzt kennengelernt. Im Grundsatz geht es darum, ihre Website kundenzentriert und authentisch zu gestalten. Beantworten Sie präventiv die Fragen Ihrer Kunden. Vermeiden Sie mächtige Portfolio-Seiten auf der Startseite. Stattdessen geben Sie Ihrem Kunden auf der Startseite einen Überblick, was ihn erwartet und lotsen sie Ihn. Ihre eigentliche Verkaufsseite ist die Service-Seite. Bauen Sie diese durchdacht auf. Zu guter Letzt: Gestalten Sie Ihre Website so, dass Sie konvertiert, d.h. Ihre Website-Besucher zum nächsten Schritt führt. Und nutzen Sie E-Mail-Marketing, um mit Ihren Besuchern in Kontakt zu bleiben.

Wie sieht es mit Ihrer Website aus? Brauchen Sie professionellen Rat, was Sie optimieren können? Dann schauen Sie, was ich für Sie im Rahmen des Website-Checks tun kann.

Wie ist Ihre Meinung zu dem, was ich geschrieben habe? Ich freue mich über Feedback und kann mir gut vorstellen, dass der ein oder andere zu bestimmten Punkten auch eine andere Meinung hat.

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